Übermorgenwelt

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Freitag, 5. April 2019

Interview mit Autor Robert Rittermann



Als Teil der Blogtour zur "Lost Project"-Reihe stellt sich der Autor, Illustrator und Dinosaurier-Fan Robert Rittermann den Fragen der Übermorgenwelt-Redaktion - mit Bravour gemeistert, würde ich sagen!

Wer danach auf seine Bücher neugierig geworden ist, der kann sich freuen: Robert hat der Bibliothek der ÜMW jeweils ein Exemplar von Band 1 und 2 seines Dinosaurier-Zeitreise-Abenteuers zur Verfügung gestellt. :D

Und wer nochmal nachlesen will, hier der Link zu meiner Rezension zu "Lost Project - Unter fremden Sternen". Führ mich zur Rezension!

Anne Neuschwander




ÜMW: So, Robert, dann erzähl mal ein bisschen über dich (in 3 Sätzen oder weniger).

Robert: Geboren wurde ich 1983 in einem Land, das es nicht mehr gibt und ich wohne im dystopischen Wuppertal. Aktuell schreibe ich am dritten Teil meiner Paläo-Science-Fiction-Trilogie »Lost Project«. Ansonsten mag ich Katzen, Kaffee, Pizza und Punkrock. Ach ja, und natürlich das Universum!


ÜMW: Was fasziniert dich an der Science-Fiction?

Robert: Das habe ich mich auch recht lange gefragt. Besonders mag ich das Spekulative und Hypothetische. Technische Aspekte reizen mich dabei nicht in erster Linie. Aber ich finde, dass sich das Spekulative technisch oder gesellschaftlich erklären können muss. Buchcover deutscher (SciFi-) Veröffentlichungen reizen mich in der Regel wenig, weil sie austauschbar und uninspiriert sind.




ÜMW: Warum eigentlich gerade Dinosaurier? Woher kam die Inspiration für die „Lost Project“-Reihe?

Robert: Wer mich schon ein paar Jahre kennt und auch meine ganzen Illustrationen gesehen hat, weiß, dass ich Ungeheuer sehr gerne habe. Die Ästhetik des Unheimlichen, Hässlichen und Dunklen fasziniert mich.
Band 1 und 2 in der Bibliothek zu finden!
An Dinosauriern finde ich sehr reizvoll, dass es sie tatsächlich gab. Aber dass ich mit einer Dinosaurier-Trilogie gestartet habe, war purer Zufall, denn ich habe noch ein paar andere spannende Projekte in der Schublade. Wichtig für meine ersten Romane war, dass ich erst einmal kürzere Geschichten schreiben wollte, um mich nicht zu verzetteln. Sehr hilfreich fand ich in diesem Zusammenhang Edgar Rice Burroughs »Caspak Trilogie«, bei der es ja auch um Dinosaurier geht; viel weniger vom Inhalt als viel mehr von der Art der Erzählung. Die drei Bücher sind allesamt recht kompakt und doch schafft Burroughs es, auf diesen wenigen Seiten, eine extrem dichte Geschichte mit einer detailreichen Welt zu erschaffen.
Die Idee von »Lost Project« habe ich schon seit ich sechzehn bin. Meine Schwester kam damals auf mich zu, weil sie eine SciFi-Kurzgeschichte für die Schule schreiben musste, sie aber keine Lust dazu hatte. Spontan fiel mir die Idee mit dem Asteroiden ein, der die Dinosaurier auslöschte und ich spann sie weiter zu der Grundidee, die heute der übergreifende Plot der Trilogie ist. Damals schrieb ich meiner Schwester eine vierseitige Geschichte, welche im Grunde der Elevator Pitch der Trilogie sein könnte. Der Text lag dann viele Jahre bei meinen anderen Ideen im Fach. Ursprünglich wollte ich daraus eine zehnteilige Comicserie machen, aber das wäre viel zu aufwändig geworden. Erst als ich beschloss, dass ich alle meine Ideen einfach mal aufschreiben sollte, bevor ich ein visuelles Mammutwerk plante, war klar, dass ich Romane schreiben würde.
Bei der Lost Project-Trilogie reizt mich am meisten, dass ich mir eine Erde vorstellen kann, die vollkommen ohne den Einfluss des Menschen ist. Wenn wir die Möglichkeit hätten, an das Ende der Kreidezeit zu reisen, was würden wir dort vorfinden? Wie sieht ein Urwald aus? Wie eine unveränderte Küstenlinie? Wie sieht der Sternenhimmel aus? Was für Geräusche hört man? Wie klar ist die Luft? Wie intensiv sind die Gerüche? All das möchte ich meinen Leserinnen mit der Trilogie zeigen. Ihnen die Schönheit der Erde nahebringen. Und die Gewissheit, dass wir mit unserem gegenwärtigen Handeln unseren Planeten für uns Menschen unbewohnbar machen. Nach uns wird das Leben weitergehen. Die durch uns ausgerotteten biologischen Nischen werden neu besetzt werden und all unsere menschliche Existenz wird Millionen Jahre später in ein paar Sedimentschichten unser Scheitern dokumentieren. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen negativ, aber es beruhigt mich, dass irgendwann wieder eine unberührte Natur die Erde überwuchert.


ÜMW: Du bist augenscheinlich ein Mann vieler Talente. Wenn du dich für eine kreative Richtung entscheiden müsstest, weil dich sonst ein Asteroid erschlägt, welche wäre es? 

Robert: Solchen Momente finde ich mich immer wieder ausgeliefert :) Ich würde meine Gitarre schnappen, 20 Punksongs schreiben und auf Europatour gehen. Zum Schreiben und Zeichnen brauche ich nämlich Zeit und Ruhe.


ÜMW: Hast du einen Lieblingsautor? Wenn ja, wer ist es, und was ist das Besondere an ihm/ihr?

Robert Rittermann
Robert: Einen richtigen Lieblingsautor habe ich nicht. Bei mir kommt es da mehr auf die Stimmung an. In letzter Zeit fand ich Jeff Vandermeers »Auslöschung« richtig gut. Das war sehr spannend geschrieben. Ansonsten finde ich Astrid Lindgrens Schreibstil wunderschön. Sie trifft einen einmalig warmen und herzlichen Ton, den ich richtig ergreifend finde.


ÜMW: Wenn du noch einmal dein Erstlingswerk schreiben könntest, was würdest du jetzt anders machen? 

Robert: Meine erste Veröffentlichung war mein Kinderbuch »Vincent. Das ungruselige Ungeheuer«, das 2016 im Dix Verlag erschien. Da hätte ich recht wenig anders gemacht. Nicht weil das Buch perfekt war, sondern weil ich durch die Arbeit des Verlags viel gelernt habe. Ich habe mich quasi an die Hand nehmen lassen und habe mir den Workflow einer Verlagsveröffentlichung aus der ersten Reihe angeguckt.
      Bei meinem ersten Roman hätte ein besseres Zeitmanagement gebrauchen können. Aber ich hatte vorher gar keine Ahnung, wie man einen Roman schreibt und wie da der Workflow ist. Ich hatte Teil 1 zuerst sogar komplett ohne Lektorat als Ebook veröffentlicht. Allerdings bekam ich ziemlich schnell die Quittung dafür. Eine Bloggerin hat mir eine sehr ausführliche Mail geschrieben, warum sie den Roman nicht mochte. Sie war der maßgebliche Grund, warum ich den ersten Teil noch einmal komplett überarbeitet habe und einem professionellen Lektorat unterzog. Dabei beschloss ich auch, dass ich meine Romane mit eigenen Illustrationen ausstatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mit dem Schreiben des zweiten Teils begonnen. Und so arbeitete ich an beiden Teilen parallel und veröffentlichte sie gemeinsam im November 2018. Also, ein besseres Zeitmanagement, weniger Chaos im Workflow, weniger Stress und mehr Professionalität. Das wären die Dinge, die ich direkt am Anfang hätte berücksichtigen sollen.


ÜMW: Du bist Selfpublisher. Aus Überzeugung, oder würdest du auch zu einem Verlag nicht Nein sagen?

Robert: Ich mag den DIY-Gedanken sehr. Aber ich sehe auch die Vorteile einer Verlagsveröffentlichung. Sollte sich ein Verlag für meine Geschichten interessieren, schaue ich mir das Angebot gerne an. Bis dahin warte ich aber nicht darauf, dass so etwas passiert, sondern mache einfach.
Ein weiterer Vorteil ist, dass ich mir meine Deadlines selbst aussuchen kann. Ich habe eine Familie und einen Job als User Interface-Designer und schreibe erst, wenn alles schläft. Dass das einmal anders wird, ist ein kleiner Traum von mir. Dafür muss ich mich aber noch ein bisschen ins Zeug legen.
Außerdem habe ich mit flying-cheese.com mein eigenes kleines Autorenlabel. Ich bin also CEO und Founder und eigne mich so perfekt für das Entrepreneur-Bullshit-Bingo.


ÜMW: Erzähl uns einen Witz!

Robert: Warum gehen Ameisen nicht in die Kirche? Weil sie Insekten sind. Ansonsten alles von Chuck Norris.


Danke, Robert, für das lustige und interessante Interview und viel Erfolg bei deinen Projekten! Und wer auch mal in seinen Illustrationen stöbern, oder seine Bücher selbst im Regal stehen haben will, der kann hier seinen Shop finden!


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